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Die gewerkschaftsnahe Hans Böckler Stiftung kommt zu dem Schluss, dass die niedrigen Tarifabschlüsse der letzten Jahre 500.000 Jobs gekostet haben. Was denken Sie?

Ja - man sieht doch, dass die Binnen-Nachfrage in Deutschland schwach ist. Das schlägt auch auf Produktion und Beschäftigung durch
Ich glaube, dass das so ganz genau niemand weiß. Die Ergebnisse der Studien hängen immer vom Auftraggeber ab
Das ist der uralte Trugschluss der Gewerkschaften. Höher Löhne werden heutzutage überwiegend in Produkte investiert, die außerhalb Europas erzeugt oder produziert werden. Der einzige Effekt ist die Schwächung der Wirtschaftsstandorts Deutschland

Der Aufschwung der Zeitarbeit in Deutschland wird sich in diesem Jahr noch verstärken. Marktführer Adecco plant für 2007 16.000 neue Jobs in Deutschland aufzubauen. Gefährdet billige Zeitarbeit normale Arbeitsplätze?

Nein! Zeitarbeit ist wichtig und bringt mehr Flexibilität in die Unternehmen. Das stärkt sie und ist positiv.
Ja! Die Entlohnung ist deutlich geringer als bei normalen Arbeitsverhältnissen. Die Zeitarbeit darf nicht weiter wachsen.
Zeitarbeit hat auch große Nachteile, z.B. bleibt das Wissen nicht dem Unternehmen erhalten. Nicht alle Arbeitsplätze können substituiert werden.

Müntefering fordert angesichts der guten Konjunktur auch höhere Löhne für die Beschäftigten. Was meinen Sie?

ja - das ist überfällig angesichts der hohen Firmengewinne
Ich bin auch für eine Anhebung der Löhne und Gehälter. Aber man darf nicht den Fehler aus den 70ern wiederholen und Geld ausgeben, das man noch nicht verdient hat.
Nein - der Aufschwung bei den Unternehmen und die Investitionsbereitschaft darf nicht durch hohe Löhne kaputt gemacht werden.
Höhere Löhne verstärken den Aufschwung durch die erhöhte Binnennachfrage. Daher uneingeschränkte Zustimmung

Bei den Tarifverhandlungen zur Sanierung der deutschen VW-Werke scheinen die Eckpunkte klar zu sein. Produktionszusagen für die 6 deutschen VW-Werke für eine 33 Stundenwoche ohne Lohnausgleich. Ist das eine gute Lösung?

Der Kompromiss ist ausgewogen und fair.
Das ist vor allem ein guter Abschluss für die Arbeitgeber. Die Gewerkschaften haben zu stark nachgegeben.
Den Vertretern der Gewerkschaft ist im Rahmen des Möglichen ein guter Vergleich gelungen. Für die Arbeitgeber sind 33 Stunden zu wenig
Beide Parteien können mit diesem Kompromiss nicht leben. VW wird nicht konkurrenzfähig und die Arbeitgeber haben zu wenig zum Überleben.

Müntefering macht sich für tarifliche Mindestlöhne in allen Branchen stark. Sind Sie für eine Ausweitung?

Ja - wir müssen gerade niedrige Lohngruppen gegen ausländische Billigkonkurrenz schützen
Nein - Mindestlöhne sind kein geeignetes Instrument der Beschäftigungspolitik

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